Valiant Hearts: The Great War

Vor hundert Jahren begann der 1. Weltkrieg. Grabenkämpfe und der Einsatz von Gas machten diesen Krieg grausam, wie nie zuvor. Insgesamt 17 Millionen Menschen starben. Doch heute scheinen uns die Ereignisse fern und unbedeutend. Valiant Hearts: The Great War ändert das und erzählt eine Geschichte in den Wirren dieses Krieges mit historischen Details.

Spiele, die sich mit Krieg beschäfftigen, gibt es wie Sand am mehr. Meist sind es die Ego-Shooter, die Krieg als reinen Schauplatz und Erklärung für ihr Geballer benutzen. Allzu oft muss der 2. Weltkrieg als Kulisse herhalten. Valiant Hearts macht alles anders. Schauplatz ist der 1. Weltkrieg, erzählt wird die rührende Geschichte von fünf Freunden in einem leicht zugänglichen Adventure und alles wird unterfüttert mit geschichtlichem Wissen.

Da ist zum einen der französische Landwirt Emile und dessen deutscher Schwiegerson Karl, die nach Ausbruch des Krieges für die jeweils andere Armee kämpfen müssen. Die beiden kreuzen im Verlauf der Geschichte immer wieder die Wege von Freddie, einem amerikaneischen Soldaten, der Tiermedizinstudentin Anna und dem Hund Walt. So erlebt man den Krieg auf verschieden Seiten und aus Winkeln. Der Hund Walt dabei die Verbindung zwischen den Charakteren. Kaum eine Erzählung hat es wohl je geschafft so schön von Menschlichkeit und Freundschaft in einem Krieg zu erzählen. Laut Ubisoft basiert die Geschichte auf Briefen aus dem 1. Weltkrieg und so wird auch Valiant Hearts durch die Briefe und Erzälungen der Protagonisten vorangetrieben.

Emile und Walt versuchen eine Gasmaschine zu zerstören.

Emile und Walt versuchen eine Gasmaschine zu zerstören.

Besonders prägnant ist die Comic-Grafik von Valiant Hearts. Die ist zwar sehr eigen, hilft aber einerseits eine gewisse Distanz zum Schrecken herzustellen und schafft es dennoch gegen Ende des Spiels, die Brutlität dieses Krieges angemessen darzustellen. Auch am Beispiel Valiant Hearts zeigt die UbiArt-Framework-Engine welch künstlerische Spiele möglich sind. Die Engine wurde zum Beispiel auch für die Rayman-Spiele genutzt.

Einen großen Beitrag zum Gesamtwerk leistet die Musik von Valiant Hearts. Immerwieder versetzt einen das Klaviesolo im Hauptmenü des Spiels in eine melancholische Stimmung. Genauso herausragend sind aber die spaßigen Verfolgungsjagden, koreografiert zu Brahms Ungarischem Tanz Nr. 5.

Valiant Heart für die Schule

Bisweilen kommt man sich beim Spielen von Valiant Hearts vor wie in einem Museum über den 1. Weltkrieg. Immerwieder erfährt man Details über Ausrüstung, das Leben in den Gräben oder den Gaskrieg. Wusstet ihr, dass die Briten eine Zeit lang Erkennungsmarken aus Asbest benutzten? Für diese Details muss man meist Texte lesen. Die sind aber so gut geschrieben, dass ich mich immer über sie gefreut habe. Störend sind sie in keinem Fall, denn Valiant Hearts ist mit seine Puzzelrätseln nicht anspruchsvoll. Die Wissensvermittlung und die Erzälung schien den Entwicklern wichtiger zu sein. Valiant Hearts ist sicherlich auch ein Spiel für Gelegenheitszocker oder Nie-Zocker – Eltern zum Beispiel.

Nach sieben Stunden war mein Museumsbesuch beendet. Valiant Hearts ist weniger ein Spiel, als eine mitreisende Geschichtsstunde. Gerade das macht Valiant Hearts aus. Selten kann man nach dem Zocken sagen man hätte was gelernt. Klar kann ich danach nicht alle Stationen und Schlachten des 1. Weltkrieges mit Datum aufzählen, aber wer muss das schon. Valiant Hearts hat diesen Krieg, der so viel verändert hat, für mich präsent gemacht. Ich kann ihn verorten und vielleicht seine Grausamkeiten erahnen. Denn die Geschichte der fünf Freunde schafft, was der durchschnittliche Geschichtsunterricht mit seinen Zahlen und Fakten nicht schafft – sie reißt mit und weckt Interesse.

Weitere Links:

This War of Mine betrachtet Krieg ebenfalls aus einer anderen Perspektive.

 

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